Ärzte-Ehepaar rät zur Impfung

Ein starkes Team: Dr. Charlotte Zahn-Brünjes und Hermann Brünjes kümmern sich in ihrer allgemeinmedizinischen Praxis um die Gesundheit ihrer Patienten. Foto: Andreas Weiss

Dr. Charlotte Zahn-Brünjes und Hermann Brünjes erleben Pandemie hautnah – Covid 19 verlangte schnelle Anpassung

Von Jennifer Humpfle

Dr. Charlotte Zahn-Brünjes und Hermann Brünjes führen gemeinsam die hausärztliche Praxis an der Memeler Straße 17. Mit der RoPo sprachen sie darüber, warum sie gerne in Rotthausen arbeiten und wie Covid 19 ihre Arbeit verändert.

Was macht die Arbeit in einem Stadtteil wie Rotthausen aus?
Hermann Brünjes (HB): Die Nähe zu den Patienten.
Charlotte Zahn-Brünjes (CZB): Deswegen wohnen wir gerne hier, weil man einfach mittendrin ist. Dass man hier zusammen lebt, habe ich schon immer an diesem Beruf geliebt. Die Kinder gehen zusammen zur Schule, man kennt die ganze Familie vom Enkel bis zur Oma seit 30 Jahren. Wir sind der evangelischen Kirche ganz verbunden. Dort haben wir geheiratet und unsere Kinder wurden dort getauft und konfirmiert.

Sie führen die Praxis gemeinschaftlich. Gibt es unterschiedliche Schwerpunkte?
CZB: Wir machen beide Palliativmedizin und normale hausärztliche Medizin. Mein Mann hat die Bereiche Sportmedizin und Schilddrüse, und ich Gefäße, Wunden und Haut.

Wie hat die Pandemie Ihren Arbeitsalltag verändert?
HB: Als Hausarzt ist man schon immer flexibel. Wir haben uns an alles angepasst, Hygienemaßnahmen schnell umgesetzt. Am Anfang hatten wir das Gefühl, unsere Patienten schlechter zu betreuen, weil wir alle draußen lassen sollten. Das war schwierig.
CZB: Das haben wir jetzt alles schön geteilt. Es gibt verschiedene Sprechstunden, die normale, Infektions-, Testsprechstunde. So arbeitet man sich durch.

„Wir danken den Patienten für ihr Verständnis“

HB: Die Patienten finden es besser, dass nicht mehr so viele auf einmal kommen. Für uns ist die Arbeit anstrengender geworden, weil sie kontinuierlicher durchläuft. Dadurch sind manche Abläufe langsamer geworden. Da danken wir den Patienten, dass sie so verständnisvoll sind.
CZB: Wir hatten schon immer eine Terminsprechstunde. Deshalb kamen die Patienten glaube ich weiterhin, weil die sich hier nie unsicher gefühlt haben.
HB: Wir Ärzte haben auch im Stadtteil sofort untereinander Kontakt gehabt und uns abgesprochen.

Das heißt, die Zusammenarbeit unter den Rotthauser Ärzten ist gut?
HB: Ja, wir Hausärzte – Wakentin, Langer, Heling, Kozlov, Mast – haben eine Vertretungsgemeinschaft. Diese haben wir direkt für die Heime eingerichtet und abwechselnd wochentagsweise Dienst gemacht. Mit drei Praxen haben wir Impfungen durchgeführt. Wir haben in Rotthausen ein schönes Miteinander.
CZB: Wir treffen uns seit 25 Jahren einmal im Jahr und machen die Dienst- und Urlaubspläne. Wir verstehen uns alle gut.
HB: Wir übernehmen schon mal Abstriche oder Untersuchungen. Das geht auf Zuruf, da gibt es keinen Konkurrenzkampf.

Wie wichtig ist Ihr Schwerpunkt der Palliativmedizin in Pandemiezeiten?
CZB: Ich weiß gar nicht, ob das einen besonderen Stellenwert hat. Wer palliativ zu Hause betreut werden möchte, hat eine Beatmung eigentlich schon für sich abgelehnt. Patienten, die zu Hause sterben durften – auch mit Corona – hatten ihre Verwandten um sich, was im Krankenhaus nicht möglich ist.

Wie beurteilen Sie die ärztliche Versorgung in Rotthausen?
Beide: Die ist gut, da gibt es nichts auszusetzen.
HB: Schon vor Jahren sind die Fachärzte in die Innenstadt gezogen, außer einer Gynäkologin.
CZB: Aber wir sind ja hier schnell in der Stadtmitte.

„Wer eine Chance hat, sollte sich impfen lassen“

Sie sind jenseits der Praxisarbeit ehrenamtlich und in Netzwerken engagiert. Was treibt Sie an?
HB: Ich bin aktiv bei ,Rotthausen bleibt gesund‘ und gehe schon mal zum Präventionsrat Rotthausen. Außerdem bin ich leitender Arzt der Herzsportgruppe von Schalke 04. Aktuell liegt das aber alles auf Eis. Ich möchte die Versorgung und Zusammenarbeit verbessern. Dadurch war ich schon immer in vernetzten Strukturen tätig. Ich bin Gründungsmitglied des 1995 gegründeten QPG Arztnetzes. Früher habe ich da Vorstandstätigkeiten übernommen und die Notfallpraxen initiiert. Heute bin ich noch im Vorstand des Arztnetzes Pro Gesund der Knappschaft, sowie in der Bezirksvertretung ÄKWL Gelsenkirchen, als Ausschussmitglied der KVWL, als Moderator für Qualitätszirkel und als Delegierter des Hausärzteverbandes Westfalen Lippe tätig.
CZB: Ich habe mich früher nicht so viel ehrenamtlich engagiert, weil ich mich um die Kinder gekümmert habe. (lacht) Ich bin 2. Vorsitzende des Palliativnetzes. An der Palliativmedizin hängt mein Herz.

Was raten Sie den Rotthausern? Impfen lassen – ja oder nein?
CZB: Auf jeden Fall ja!
HB: Wer eine Chance hat, sollte sie nutzen! Die Nachfrage in den Praxen ist gerade bei älteren Patienten groß. Alle, die noch flügge sind und über 80, stehen dauernd auf der Matte, weil sie in ein normales Leben zurück möchten.

Sind Sie selber geimpft?
CZB: Wir gehören zu diesem speziellen Palliativsystem und durften deshalb in der ersten Gruppe mitgeimpft werden, weil wir mit hochvulnerablen Patienten arbeiten.

Denken Sie bereits über eine Nachfolge nach?
CZB: Unser Sohn kommt nach seinem Medizinstudium aus Lettland nach Hause und wird nun eine Facharzt­ausbildung machen.
HB: Danach kann er das entscheiden. Da wir ja noch jung sind, hat das noch Zeit.


Mediziner vor Ort

Dr. Charlotte Zahn-Brünjes kommt gebürtig aus Aachen. Da es dort nach dem Medizinstudium keine Stellen für Frauen gab, kam sie 1985 ins Ruhrgebiet, wo sie im Krankenhaus in Erle 1989 ihren Mann kennenlernte und 1990 in die Praxis seines Vaters einstieg. Dr. Hermann Brünjes Senior hatte 1965 die Praxis von Dr. Oelk in der Beethovenstraße übernommen.

Hermann Brünjes (61) ist gebürtiger Gelsenkirchener und studierte Medizin in Berlin, Marburg und Bremerhaven. „Irgendwie sind das schöne Städte, aber trotzdem bin ich zurückgekommen.“ 1993 fing er in der Praxis seiner Eltern an, die er mit seiner Ehefrau weiterführt. Das Paar hat zwei Söhne, wohnt in Rotthausen und hat guten Kontakt in die ev. Gemeinde. In ihrer Freizeit gehen sie gerne ins Kino, haben ein Theaterabonnement, tanzen beim TSC Blau-Weiß Gelsenkirchen und gehen wandern. Hermann Brünjes geht ab und an Gleitschirmfliegen.

Mehr Infos: www.praxis-zahn-bruenjes.de/