Im Spagat zwischen drei Stadtteilen

Bezirksbürgermeister Thomas Fath nutzt ein Büro im Hans-Sachs-Haus und wahrt so die räumliche Nähe zu Teilen der Stadtverwaltung. Außerdem pflegt er engen Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern in Rotthausen, Ückendorf und der Neustadt. Foto: Julian Preuß

Auch die zweite Amtszeit wird für Bezirksbürgermeister Thomas Fath zum Balanceakt

(JP) Mitte November nahm Thomas Fath (66) zum zweiten Mal das Amt des Bezirksbürgermeisters für die Stadtteile Neustadt, Ückendorf und Rotthausen an. Gemeinsam mit der Bezirksvertretung-Süd möchte der leidenschaftliche Kleingärtner bis zur nächsten Kommunalwahl viel bewegen. Gleichzeitig bereitet ihm das Volkshaus Kopfzerbrechen.

Aus seinem Büro auf der zweiten Etage blickt Thomas Fath auf den weitestgehend leeren Innenraum des Hans-Sachs-Hauses. Die Corona-Pandemie veränderte Vieles in Gelsenkirchen. Fath bleibt indes eine Konstante in der Lokalpolitik. Nach der Kommunalwahl im vergangenen September bestätigte ihn die Bezirksvertretung-Süd mehrheitlich als den neuen und damit alten Bezirksbürgermeister. Seit nunmehr sechs Jahren führt der ehemalige Kommunalbeamte des Gebäudemanagements der Stadt Herne das Amt aus. Der SPD-Politiker leitet und moderiert somit die Sitzungen des Gremiums. Außerdem entscheidet er über die Tagesordnung. Und das nach wie vor mit Freude.

„Die Bezirksvertretungen sind ein mächtiges Instrument. Dort wird alles entschieden, was in den Bezirken geschieht“, erklärt Fath das oftmals unterschätzte Gremium. Es bewirkte in Rotthausen beispielsweise die Umbenennung der Hohoffstraße in Voßgraben, eine neue Beleuchtungsanlage für die Verbindung zwischen dem Hördeweg und der Straße Auf der Reihe sowie die Realisierung verschiedener Projekte im Rahmen des Stadtteilerneuerungskonzeptes.

Die Zusammenarbeit der Parteien sei bislang konstruktiv und zielführend gewesen. „Abgesehen von kleineren politischen Meinungsverschiedenheiten geht es bei der Bezirksvertetung-Süd sehr familiär zu“, sagt er. Daher verwundert es den wiedergewählten Bezirksbürgermeister, dass sich bis auf wenige Ausnahmen immer weniger junge Menschen auf dieser Ebene politisch engagieren. „Die Bezirksvertretung war schon oftmals der Einstieg in eine große politische Karriere“, meint Fath. Er appelliert: „Die jungen Leute sollten sich darüber im Klaren sein, dass alte Menschen über etwas entscheiden, was sie oftmals gar nicht mehr mitbekommen.“

Fath beginnt seine politische Karriere 1989

Fath, der an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung studierte, begann 1989 seine politische Laufbahn. Über Ernst Majewski, derzeit Stadtverordneter der SPD im Rat der Stadt Gelsenkirchen, fand er den Weg zu den Sozialdemokraten. „Wir haben bei Adler Feldmark zusammen Fußball gespielt“, erinnert sich Fath. 2006 gelangte er als Nachrücker in die Bezirksvertretung-Süd, ehe er 2009 den dortigen Fraktionsvorsitz übernahm.

Für den Wahl-Rotthauser war dies eine Selbstverständlichkeit. „Gefühlt kenne ich in Ückendorf jeden Stein“, behauptet Fath, der bis auf einen kurzen Abstecher nach Bochum immer im Gelsenkirchener Süden lebte. Auch in der Feldmark fühlt sich der Politiker heimisch. „Seit mehr als 40 Jahren befindet sich dort mein Kleingarten“, schildert Fath. So zog es den ehemaligen Landesligafußballer nach Stationen in der Feldmark, Ückendorf und der Altstadt 1990 nach Rotthausen.

Dort schätzt er vor allem die Wohn- und Lebensqualität. „Das Leben pulsiert hingegen eher in Ückendorf“, erzählt Fath, der beispielsweise seinen Honig bei einem Imker am Thomas-Morus-Weg kauft. Auch die Bochumer Straße mit ihren neu angesiedelten Künstlern und Kneipen entwickele sich immer mehr zu einem Ort mit viel Potenzial.

Obwohl aktuell Ückendorf im politischen Fokus stehe, sieht Fath keine Gefahr, einen Stadtteil dem anderen politisch vorzuziehen: „Ich denke, dass ich die Balance zwischen den Stadtteilen sehr gut beibehalte.“

Trotzdem wird das Gremium in Rotthausen weiter zahlreiche Themen begleiten. Fath spricht in diesem Zusammenhang die Gestaltung des Ernst-Käsemann-Platzes an. „Wir werden darüber nachdenken, ob man den Markt aufgrund der Nähe zur Karl-Meyer-Straße auf den alten Rotthauser Markt verlegen kann“, sagt der Bezirksbürgermeister.

Fath nennt Volkshaus sein „politisches Damoklesschwert“

Und dann wäre da noch das Volkshaus. Schon lange wird darüber diskutiert, wie das denkmalgeschützte Gebäude sinnvoll genutzt und umgebaut werden kann. Bislang ohne merklichen Fortschritt. „Das Volkshaus ist mein persönliches Damoklesschwert. Es hängt über meiner Arbeit als Bezirksbürgermeister“, erläutert Fath und ergänzt: „Ich habe immer versprochen, dass da etwas draus wird. Daher leide ich quasi schon körperlich darunter, dass noch kein brauchbares Nutzungskonzept vorliegt.“

Damit ein Mammutprojekt wie das Volkshaus zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommt, sei es wichtig, dass Stadtverwaltung und Politik Hand in Hand arbeiten, so Fath. Doch eben dies habe zuletzt nicht immer funktioniert. „Leider gibt es Dienststellen, mit denen der Austausch schwierig ist. Dazu gehören die Planungs-, Bau- und Umweltbehörde“, meint Fath. So erfuhr die Bezirksvertretung erst im November, dass die Verwaltung den Anbau für die Kita Lothringer Straße 2018 einfror – ein Unding, wie Fath findet.

Der neue und alte Bezirksbürgermeister bemüht sich daher umso mehr, als engagiertes Bindeglied zwischen den Bürgerinnen und Bürgern, der Politik und der Stadtverwaltung zu fungieren. Fath lässt offen, ob er 2025 nach der nächsten Kommunalwahl für eine dritte Amtszeit als Bezirksbürgermeister kandidieren wird. Bis dahin bleibt er eine Konstante im Hans-Sachs-Haus.