„Mr. Take Off“ will endlich wieder abheben

Dieter Wartmann legt mit 72 Jahren erstes Solo-Album vor – Die rote Hose passt noch immer wie angegossen

Von Frank Winter

Die Gitarre ist immer dabei. Das Spielen hat sich Dieter Wartmann selbst beigebracht. Foto: F. Winter

Die rote Hose sitzt auch nach 30 Jahren wie angegossen. Doch sie hängt schon lange im Schrank. Denn Dieter Wartmann trägt sie nur bei Auftritten, Der mittlerweile 72-Jährige fiebert dem Tag entgegen, an dem „Mr. Take Off“ endlich wieder auftreten kann.

Auch wenn die Bühne bereits seit seinem 15. Lebensjahr mindestens sein zweites Zuhause ist, war Dieter Wartmann in der Corona-Zeit nicht unterzukriegen. Dafür liebt er die Musik viel zu sehr. „Sie hat mir mehr als einmal das Leben gerettet“, versichert der Ur-Rotthauser, der mittlerweile in Sprockhövel lebt, immer wieder.

Diwa liefert mit „Hand in Hand“ das Lied für jede Hochzeit

Und so hat der „Mann mit der roten Hose“ ein neues Projekt in Angriff genommen. In Kürze wird sein erstes Soloalbum erscheinen – unter dem Namen „Diwa“. Den hat er schon vor mehr als 20 Jahren erhalten. Schließlich verhalte er sich oft wie eine Diva, da solle er sich doch auch so nennen, hatte ihm ein Kollege vom RockOrchester Ruhrgebeat seinerzeit gesagt.

„Hand in Hand“ wird die CD heißen. Der Titelsong ist in der Balladenform für jede Hochzeit geeignet, in der Schlager-Variante Partyhit-verdächtig. Ganz allein ist er bei dem Album dann auch wieder nicht. Sängerin Christina Meulenberg ist bei einigen Parts mit an Bord. Die 26-Jährige kennt er ebenso von seiner Band „Take Off and Friends“ wie den Solo-Gitarristen Roman Witt, der das Album vertont und abmischt.

Wird der Alt-Rock‘n‘Roller, der mit 65 Jahren noch stilecht in Strapsen die Highlights der „Rocky Horror Picture Show“ aufführte, also im Alter sanfter ? Ein wenig vielleicht. Aber er will immer Musik machen. „Zu alt“ gibt es für ihn dabei nicht. „Country und Irish Folk sind auch im hohen Alter noch möglich“, sagt er mit hoffnungsvollem Blick nach vorn. Und wenn dann die rote Hose noch passt…

Erste Auftritte im Hinterhof

Früh deutete sich der Weg zur späteren „Rampensau“ an. Bereits im Alter von sieben Jahren war Klein-Dieter stets im Hinterhof mit seiner „Quetschkommode“ und unterhielt Nachbarn und andere Kinder mit Songs von Elvis Presley und Peter Kraus. Das war in der Steeler Straße 99; dort, wo heute Rewe zu finden ist. Foto: privat

Schon der siebenjährige Dieter unterhielt Nachbarschaft mit Elvis-Songs

Dieter Wartmann war frühreif, zumindest in musikalischer Hinsicht. Das dürften alte Nachbarn bestätigen. Im Alter von sieben Jahren spielte er auf dem Akkordeon Elvis-Songs – auf dem Hinterhof. Angst vor Publikum kannte er auch mit 15 nicht, als er bei einem Talentwettbewerb in der damaligen „Filmpalette“ seinen ersten von vielen Preisen gewann.

Es folgten mehrfach wöchentlich Auftritte in Kneipen mit den „German Kinks“. Bezahlt wurde seinerzeit gerne mit Armbanduhren.

In Musik hatte Dieter in der Mechtenbergschule übrigens immer schlechte Noten. Bis ein Mitschüler den Lehrer überredete, ihn Schlager singen zu lassen. Für diese und Rock war seine Stimme besser geeignet als für Kinderlieder.

 

 


Zur Person

Dieter Wartmann arbeitete als Betriebsschlosser auf Dahlbusch, nach der Schließung dann auf Zollverein.

Wechselvoll war die erste Zeit nach dem Aus des Bergbaus. Auf eine Zeit als Haustechniker im Hotel Maritim 1972 folgte eine Weiterbildung zum Industriemeister und Ausbilder im Maschinenbau und war als Technischer Kaufmann tätig.

Rotthausen ist ihm immer wichtig geblieben. Sein großer Wunsch. „Einmal wieder im Gemeindesaal auftreten.“