Radler fahren sich auf RS 1 warm

Der Übergang von Essen zu Gelsenkirchen ist deutlich auf dem RS 1. Der Gelsenkirchener Teil wird parallel zum Emscher-Park-Radweg bereits genutzt und kann fast bis zur nächsten Baustelle in Bochum befahren werden. Foto: Frank Winter

Radschnellweg Ruhr: Gelsenkirchener Teil im Sommer fertig – 2,8 der 101 Kilometer auf Stadtgebiet

(win) Mit Beginn des Frühlings werden die Fahrräder aus dem Keller geholt. Gerade in Corona-Zeiten lassen sich viele Radelnde kaum eine Gelegenheit entgehen, Sauerstoff zu tanken. Ein Ziel hat es ihnen derzeit besonders angetan – der Radschnellweg Ruhr (RS 1), der südlich von Rotthausen verläuft.

Das Teilstück Gelsenkirchen wird noch in diesem Jahr fertiggestellt und ist bereits großteils zu nutzen. Das tun sowohl neugierige Radfahrer als auch Fußgänger. Und die sehen, wenn sie von Rotthausen aus den Emscher-Park-Radweg (die alte Kray-Wanner-Bahn) nutzen kurz vor der Krayer Straße eine erste Zuwegung zum RS1, der dort parallel verläuft.

Von den 101 vorgesehenen Kilometern zwischen Duisburg und Hamm befinden sich ganze 2,8 auf Gelsenkirchener Gebiet. Da für diese Strecke die Trasse der Rheinischen Bahn genutzt wird, gestaltet sich das Ganze recht unkompliziert. Der erste Spatenstich erfolgte im März 2019, im Sommer dieses Jahres soll der Abschnitt fertiggestellt sein.

Der Zeitplan wird laut Straßen.NRW eingehalten

Letzterer führt von der Stadtgrenze Essen (Hattinger Straße) bis zur Stadtgrenze Bochum (Parkstraße) vorbei an Himmelsleiter und Lohrheidestadion. Laut dem Landesbetrieb
Straßen.NRW, verantwortlich für Planung und Bau, werde der Zeitplan eingehalten.
Bereits jetzt kann bis zum Ückendorfer Von-Wedelstaedt-Park geradelt werden. Allerdings wird am Wattenscheider Bach in Ückendorf aufgrund der dortigen Großbaustelle der Emschergenossenschaft bis Oktober 2021 noch eine Baustellenspur als Fahrbahn genutzt werden müssen. Details sind noch zu klären.

Interessante Anschlüsse für Rotthauser

Acht Anschlussstellen werden auf diesen 2,8 Kilometern eingerichtet, die erste in Höhe der B227. Auch westlich davon wird es auf Essener Gebiet Anschlüsse geben, die für Rotthauser interessant sein werden, werden doch hier ebenfalls die Gleise der Rheinischen Bahn genutzt. Die Trasse ist insgesamt 7,3 Meter breit. Für die beiden Radspuren sind vier, für den Fußweg zwei Meter vorgesehen.

Bis die Städte Duisburg, Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Bochum, Dortmund, Unna, Kamen, Bergkamen und Hamm durch den RS 1 vollständig miteinander verbunden sein werden, dürfte es noch einige Jahre dauern. Gelsenkirchen hat seinen Part als erster fertiggestellt, was angesichts von nur knapp drei Prozent der Gesamtstrecke nicht verwundert, die heimischen Radler aber freut.


Nur die Note 4,3 im ADFC-Klimatest

Ähnlich schlecht platziert wie derzeit ihr Vorzeigeverein in der Tabelle der Fußball-Bundesliga ist die Stadt Gelsenkirchen im Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Gelsenkirchen liegt bundesweit nur auf Platz 21 von 26 in der Kategorie der Städte 200.000 bis 500.000 Einwohner, belegt im NRW-Vergleich Platz 8 von 11. Im Durchschnitt geben Radfahrende in Gelsenkirchen der Fahrradinfrastruktur nur die Note ausreichend (4,3).

Dies zeige erneut, „dass Gelsenkirchen noch lange keine fahrradfreundliche Stadt ist“, stellt Birgit Wehrhöfer, verkehrspolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, fest. „Wenn nur vier Prozent der Mittel, die für den Radverkehr zur Verfügung stehen, in den Bau neuer Radwege fließen, dann wird Gelsenkirchen auch in den nächsten Jahren Schlusslicht bleiben“, so Wehrhöfer und fordert: „Die Mittel für den Bau von sicheren Radwegen müssen deutlich erhöht werden.“

Damit Radfahren in Gelsenkirchen zukünftig weniger Stress und mehr Spaß bedeutet, müsse mutig und innovativ gehandelt werden. Das müsse auch nicht unbedingt viel kosten. „Mit Fahrradstraßen, Fahrradzonen in den Wohnquartieren und Pop-up-Radwegen könnten schnell deutliche Verbesserungen erzielt werden“, regt Wehrhöfer an.