Umdenken für ein sauberes Klima

Fridays for Future vermittelt auf einer Demonstration in eine klare Botschaft. Foto: Jan Bretinger

Junge Menschen gehen für die Umwelt auf die Straße

(J.H.) Obwohl sie gerade nicht so sichtbar sind, geht das Engagement der Fridays for Future (FfF) für den Klimaschutz weiter.
Damit uns Hitzewellen und Klimawandel künftig nicht noch härter treffen, fordern FfF-Delegierte wie Jan Bretinger aus Rotthausen schnelles Handeln. Der 19-Jährige setzt sich mit der Bewegung für ein politisches Umdenken ein. Sein Engagement startet er vor der eigenen Haustür.

Umweltschutz beginnt im Kleinen

Aktivist Jan Bretinger engagiert sich für ein klimabewusstes Umdenken und startet im eigenen Stadtteil

Auf dem Grünstreifen der Straße Auf der Reihe beteiligte sich Jan Bretinger 2018 an der Pflanzung von mehreren Bäumen. Foto: J.H.

„Irgendwer muss es ja machen“, sagt Jan Bretinger über sein Engagement bei den „Fridays for Future“ (FfF). Seit März 2019 ist er in der Bewegung aktiv. Der 19-jährige Rotthauser interessiert sich schon lange für Umwelt- und Klimaschutz. Er erklärt, warum schnelles Handeln wichtig ist und was jeder Einzelne tun kann.

„Ich habe mich schon in der Grundschule für diese Themen interessiert“, erklärt Jan Bretinger. Seit 2013 engagiert er sich bei der Stiftung „Plant for the Planet“ und als die Fridays for Future-Bewegung aufkam, beschloss er mit einigen Freunden dort ebenfalls aktiv zu werden „Unser Hauptanliegen ist die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens“, betont Bretinger, der aquatische Biologie in Essen studiert. „Wenn wir so weiter machen, liegen wir nicht bei 1,5 °C Erderwärmung sondern bei 3 bis 4 °C. Deshalb müssen wir jetzt handeln, sonst gibt es eine riesige Katastrophe.“

Generationengerechtigkeit sei hierbei ein Stichwort: „Es ist unfair, dass diejenigen, die den Klimawandel mitverursacht haben, keine Verantwortung übernehmen wollen.“ Zu sagen, das Thema gehe einen nichts an, sei ein Privileg derjenigen, die aktuell noch nicht betroffen sind. „Wir haben Kontakte zu Aktivist*innen auf aller Welt und wissen, wie schlimm manche Regionen jetzt schon betroffen sind.“ Viele verschließen die Augen, weil ihnen das Thema Angst mache. „Die jährlichen Hitzewellen bekommen wir doch auch hier schon zu spüren.“

Proteste gehen Corona-konform weiter

Auch wenn FfF pandemiebedingt weniger auf den Straßen präsent ist, geht das Engagement weiter. Die Delegierten halten Konferenzen online oder via Telefon ab. Wo es geht, finden Corona-konforme Proteste statt. „Wir gehen auf die Straße, um die Politik wachzurütteln“, betont der 19-Jährige. Es fehle an Druck und wichtige Entscheidungen würden gerne verschoben. Einen Einblick in die politische Arbeit erhielt er bei einem dreimonatigen Praktikum im Umweltamt.

Die Fridays for Future bringen Bürgeranfragen in den Rat ein, sitzen im Klimabeirat der Stadt und haben kürzlich mit Oberbürgermeisterin Karin Welge über autofreie Straßen um Schulen gesprochen. Für das Klimakonzept 2030/2050, das die Stadt gerade erarbeitet, hat Fridays for Future Vorschläge eingereicht: „Wir hoffen sehr, dass vernünftige Klimaziele festgeschrieben werden.“ Das Motto laute: „No more empty promises“ – Keine leeren Versprechungen mehr.

800 Menschen verfolgen größte Demo in Gelsenkirchen

Dazu zähle auch die Abkehr von fossilen Energien, weshalb die Ortsgruppe auch öfter gegen das neue Kohlekraftwerk in Datteln protestiere. Bei der bisher größten Aktion in Gelsenkirchen waren 800 Menschen vor Ort. „Meine größte Demo insgesamt war 2019 in Aachen mit über 40.000 Teilnehmern.“

Eigentlich sei die Pandemie eine Chance für einen Neustart: Die Wirtschaft könne klimagerechter und sozialverträglicher an den Start gehen. Konsum könne neu gedacht werden. „Aber viele wollen zurück zum Alten“, bedauert der Aktivist. Dabei sei es einfach, etwas zu ändern: Öfter den ÖPNV oder das Rad nutzen, weniger Fleisch essen. „Es muss nicht sofort der komplette Verzicht sein“, betont Bretinger, der seit einem Jahr Vegetarier ist. „Jeder kann sich für mehr Klimagerechtigkeit einsetzen.“ Die jungen Menschen kämpften mit wenigen gegen hunderte Probleme: „Es ist immer die Balance zwischen Realpolitik und Protest. Aber es gibt Halt, zu wissen, dass ich etwas dagegen tue.“


Zum Hintergrund

Die Fridays for Future-Ortsgruppe in Gelsenkirchen besteht aktuell aus zirka 15 Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Sie freuen sich über jeden, der sie unterstützen möchte – egal welchen Alters.

Wer sich engagieren möchte, schreibt eine Mail an fridaysforfuture.ge@gmail.com. Auf Instagram gibt es stets aktuelle Infos zu Aktionen. Die FfF planen eine Anlaufstelle im ehemaligen „Subversiv“ in Ückendorf einzurichten, in der Treffen, Diskussionen und mehr stattfinden können.

Der nächste globale Klimastreik findet am 19. März statt, wozu auch in Gelsenkirchen wieder Aktionen geplant sind.